Motorfahrzeugversicherungen: Die geheimen Tricks beim Versicherungswechsel

27. August 2016, 05:00 Uhr

Wer für seine Motorfahrzeugversicherung zu viel bezahlt und einen Wechsel vor Ablauf der Versicherung vorsieht, findet im Internet Tipps und Tricks, wie dies scheinbar problemlos funktionieren kann. Wir haben die verlockenden Ideen analysiert und zeigen auf, welche Folgen diese mit sich bringen können.

Nicht den besten Deal abgeschlossen zu haben bzw. einen besseren zu entdecken ist gerade bei kostspieligen Motorfahrzeugversicherungen besonders frustrierend. Die Geduld aufzubringen, auf den nächsten Kündigungstermin zu warten und die Kündigung rechtzeitig einzureichen, fällt oft schwer. Ideal wäre doch, vorzeitig aus dem unvorteilhaften Vertrag aussteigen zu können.

Wer in Online-Foren nach Lösungen zur vorzeitigen Vertragsauflösung sucht, stösst rasch auf vermeintlich verlockende Ansätze, dass eine Kündigung der Motorfahrzeugversicherung möglich wird. So rät ein Teilnehmer im Online-Forum: „Wenn du das Auto abmeldest, kannst du die Versicherung jederzeit kündigen. Danach musst du es nur wieder anmelden und kannst dir sofort eine neue Versicherung suchen.“ Wer sein Auto abgibt, ohne es gleich wieder einzulösen, kann tatsächlich die Versicherung vorzeitig kündigen, so myLucy Versicherungsexperte Patrick Ziegler: „Dies ist tatsächlich ein legitimer Kündigungsgrund, das sofortige Einlösen, wenn dies vorsätzlich geschieht, ist allerdings missbräuchlich und die Vertragsauflösung nicht gültig.“ Wer einen solchen fiktiven Wechsel vornimmt, bezahlt u.U. doppelt Prämien und die mangelnde Geduld kommt einen teuer zu stehen.

Noch dreister und riskanter ist der Rat eines weiteren Forumteilnehmers: „Fahr gegen die Wand. Nach einer Schadensregulierung kann beiderseits die Kündigung erfolgen. Brauchst aber Vollkasko dafür.“ Patrick Ziegler ist ab der Dreistigkeit der Vorschläge überrascht: „Im Internet wird direkt zum Versicherungsbetrug geraten, das ist schrecklich, vor allem für alle anderen Prämienzahler. Denn die Kosten und Risiken solchen Verhaltens wälzen die Versicherungen direkt auf die ehrlichen Prämienzahler ab. Geschädigt werden also indirekt die ehrlichen Versicherten.“ Konsequenzen eines solchen Verhaltens können schwere Geldstrafen oder Gefängnis bis 5 Jahre sein nebst einer zivilrechtlichen Schadenersatzforderung.

„Übertrage das Auto einfach auf deine Frau oder deine Firma. Das ist ein Halterwechsel und du bist deine Versicherung los“, so ein weiterer, oft gehörter Ratschlag. Ein Auto darf durchaus auf die Ehefrau oder die Firma übertragen werden, wenn denn die Ehefrau das Auto auch primär braucht, bzw. das Auto primär für Firmenzwecke gefahren wird. Wird das Auto trotzdem vom Versicherungsnehmer gefahren bzw. trotzdem vorwiegend privat, obwohl das Auto neu über die Firma läuft, spricht Experte Ziegler von einem fiktiven Wechsel: „Auch hier sind die Gründe für den Wechsel nur vorgetäuscht.“ Hier greift u.U. ebenfalls der Betrugstatbestand mit den entsprechenden Konsequenzen und wer den fiktiven Wechsel versucht, fliegt schnell auf: „Das Fahrzeugregister ist öffentlich einsehbar und die Informationen auch den Versicherern zugänglich“, so Patrick Ziegler.

Doch wenn alle diese Tipps nicht zu empfehlen sind, welche Lösungsansätze existieren? Patrick Ziegler rät zum Vorausdenken und zur Kommunikation: „Wir empfehlen stets ein jährliches Kündigungsrecht, was den Anreiz auf unlautere Tricks auszuweichen, reduziert. Gleichzeitig kommunizieren wir für unsere Kunden aktiv mit den Versicherern und finden oft mit ein paar Anrufen eine Lösung im Interesse des Versicherungsnehmers und der Versicherung – ganz legal und Im gegenseitigen Einverständnis.“